Musik

Solo Crossover Fingerstyle Guitar

Ein Crossover zwischen Jazz, Klassik und Weltmusik. Das kommt dabei heraus, wenn ein klassisch geschulter Jazzgitarrist mit einem Fingerstyle-Programm unterwegs ist. Mit der Klangkultur eines klassischen Gitarristen, Improvisationsfreude des Jazz und Gespür für melodiöse, unterhaltsame Fingerstyle-Arrangements geht der Virtuose Jens Hausmann mit meist instrumentalen Eigenkompositionen stilistisch in die Breite, hier und da werden Arrangements bekanntere Stücke, Jazz-Standards oder etwas klassische Literatur eingestreut.

Jens Hausmann, Gitarrist Pressefoto: Dirk Schelpmeier

Seit den 80ern ist Jens Hausmann mit seinen Songs solistisch unterwegs. Angefangen mit starker Singer/Songwriter Prägung und ausgesuchten Coverstücken, ist der Ansatz inzwischen deutlich gereift. Idiomatisch der Gitarre auf den Leib geschrieben sind die Kompositionen harmonisch und rhythmisch mit kontrapunktischen Elementen komplexer geworden, so steht nunmehr instrumentale Fingerstyle-Gitarrenmusik im Mittelpunkt. Spielt man Gitarre nicht sowieso mit den Fingern? Schon, aber die Bezeichnung Fingerstyle steht für raffinierteres Gitarrenspiel, bei dem unabhängige Basslinien, rhythmische Akkordarbeit und Melodien gleichzeitig gespielt werden. Diese orchestrale Herangehensweise ist durch pianistische Vorbilder und klassisch differenzierte Spieltechnik geprägt. Hinzu kommt der Sinn für schöne Melodien, farbige Harmonien und bodenständigen Groove. Andererseits ist Hausmann überzeugter Vertreter der eher traditionellen „Old-School-Variante“ dieses Genres: modernere perkussive Techniken mit Klopfen, Slapping und Tapping finden sich nur ganz am Rande in seinem Spiel, wenn es denn das jeweilige Stück verlangt. Open-Tuning sind ebenso rar, eine Loopstation wird nur mal sporadisch nach Laune eingesetzt und moderne Effekte gar nicht. Das gesamte Konzept soll stets auch rein akustisch im zum Beispiel in einem Wohnzimmer-Konzert funktionieren, mit ein bis zwei Gitarren.

Stattdessen gibt es reichlich südamerikanische Elemente aus Bossa-Nova, Choros bis hin zum Tango, die intensive Beschäftigung mit Flamenco und spanischer Gitarrenmusik im Allgemeinen hat ebenso deutliche Spuren hinterlassen, wie amerikanischer und britischer Folk, natürlich die Beatles und vor allem sind jazzige Blues Einflüsse aus Anfangstagen geblieben.

Eine weitere über Jahrzehnte gereifte Spezialität des Detmolder Gitarristen sind Duos (und gelegentlich Trios) vornehmlich in den Bereichen Jazz, Blues, Latin und Folk mit hohem Improvisationsanteil. Weiterhin sowohl am improvisatorischen Duo-Konzept als auch an durchkomponierten Arrangements orientiert, entwickelte Hausmann einen orchestralen Stil von abwechslungsreicher Flexibilität.

Es gibt viele mögliche Improvisationsansätze: lange Einzelton-Linien ohne unterstützende harmonische Begleitung, oder abwechselnd rhythmische Akkorde und kürzere eingeworfenene Melodie-Phrasen. Ziel ist es, aus dem Moment heraus zu komponieren, das zu spielen, was man innerlich hört. Natürlich wäre es prätentiös zu behaupten, das würde immer gelingen. Eine komplexe virtuose Herausforderung ist obendrein, eine Improvisation zu schaffen, die Elemente von Bass, Rhythmus, Harmonien und beseelten Melodien beibehält und dabei auch noch groovt. Hilfreich waren dafür sowohl musikalisch als auch spieltechnisch Elemente der Sologitarre im Flamenco, aber natürlich auch Chordsolo Studien von Idolen wie Joe Pass.

Die instrumentalen Stücke werden im Konzert gelegentlich durch älteres Singer-/Songwriter-Material aus überwiegend eigener Feder aufgelockert. Das Ergebnis ist zeitlose Musik, etwas eklektisch durch unterschiedlichste Stilrichtungen flanierendend.

Jens Hausmann spielt Verstärker von AER Audio Electric Research: meist ein AcoustiCube 3, oder 1 bis 2 Compact Classic Pro, als Tonabnehmer AK15+ mit Piezo & Mic. Die Hauptbühnengitarre ist ein Ferenc Snétberger Signature Modell des viel zu früh verstorbenen Tom Launhardt. Plektren nutze ich nur auf Stahlsaitengitarren und zwar holländische Wegen Big City Picks und das David Grisman DAWG Pick. Bevorzugte Saiten sind Skull Strings und Philippe Bosset. Weitere Links: AroundMusic, Musik Wein.